
84 von 86 Händen sind hochgegangen in der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Senioren-Aktiv-Clubs. Damit ist beschlossen: Die Mitgliedsbeiträge werden von bisher 50 auf 120 Euro im Jahr erhöht. Nur so kann der Club überleben – denn wegen der zuletzt stark gestiegenen Ausgaben hat er mehr ausgegeben als eingenommen.
Das kann nach diesem Beschluss ausgeglichen werden und auch für kommende Jahre ist nun eine gute finanzielle Grundlage geschaffen. Mit ihrer Abstimmung haben die in der Versammlung Anwesenden die Insolvenz des Vereins abgewendet. Ihre Meinung gebildet hatten sie sich zuvor in einer von Clubchefin Cornelia Wohlhüter moderierten, konstruktiven und durchaus auch kontroversen Diskussion.
Schon im April hatten die Klosterhof-Senioren eine Beitragserhöhung beschlossen
Eine Beitragserhöhung hatte ja eigentlich schon die Vollversammlung des Clubs im April beschlossen. Statt der bisher 50 Euro im Jahr hatte man sich da auf 70 Euro geeinigt. „Aber da hab ich noch nicht gewusst, wie es um uns steht“, sagt Cornelia Wohlhüter auf Nachfrage der DZ. Den Mitgliedern im vollen Klosterhof-Saal erklärte sie am Freitagnachmittag, was passiert war: „Es gab keine Alarmsignale. Die Monatsberichte vom Steuerberater waren im Nirvana gelandet“, besser gesagt in einem Postfach, das nicht mehr existierte, auf einem Laptop, der kaputt war. Das sei aber erst aufgefallen, als nun das Landratsamt nach dem detaillierten Finanzbericht verlangt habe. Man habe die Unterlagen beim Steuerberater nachgefordert, und dann „kam die Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel“. Der Verein, so Wohlhüter, habe 35 000 Euro mehr ausgegeben, als er zur Verfügung hatte.
Seit 18 Jahren ist sie Vorsitzende des Senioren-Aktiv-Clubs mit heute 440 Mitgliedern. Jahre, in denen man viel investiert und dabei aus den Rücklagen gelebt habe. Ehrenamtliche, die bei Arbeiten auf dem Klosterhof viel geholfen haben, konnten irgendwann nicht mehr, dann mussten Profis geholt werden. Dazu kommen höhere Kosten für Gas, Wasser und Strom sowie inzwischen 65 000 Euro im Jahr für den Mindestlohn der sechs Angestellten des Vereins. Plus unter anderem die Kosten für den Klosterhof, den der Club seit 1982 „bewohnt“ und von der Katharinenspitalstiftung mietet, Versicherungen sowie steigende Preise beim Wareneinkauf für Essen und Getränke. Dem stehen immer weniger Spenden und geringere Umsätze im Café gegenüber.
Und nun, nach dem Schulden-Schock, hat die Vorstandschaft um Cornelia Wohlhüter und Kassierin Marianne Hilbert überlegt, was man tun kann. Bei Stadt und Landkreis sind die Anträge für noch höhere Zuschüsse gestellt, die Stadt habe zudem zugesichert, mit ihren Bauhof-Leuten beim Rasenmähen oder Schneeräumen zu helfen, um einen teuren Dienst zu sparen. Allerdings, so Wohlhüter, gebe es all das nur, wenn der Verein sich dauerhaft und nachweislich finanziell solide aufstelle.
Das geht nur mit höheren Beiträgen. An 100 statt der beschlossenen 70 Euro war erst einmal gedacht – so hieß es in der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung. Wegen der nötigen Ladungsfrist hatte diese in die Sommerpause des Klosterhofs gelegt werden müssen.
„Ich will, dass es den Verein weiterhin gibt“, stellte auch Prof. Dr. Lutz-Dieter Behrendt klar. Der soziale Kontakt und das große Angebot sind auch einem Mitglieds-Ehepaar besonders wichtig: „Es macht Spaß, kostet weiter nichts, und man lernt neue Leute kennen.“ Das müsse einem doch 10 Euro im Monat wert sein, findet die ganz große Mehrheit.
Künstler Jupp erklärte spontan, 2027 auf seine Gage zu verzichten. Zweiter Vorsitzender Harry Brandl sucht Mitglieder für eine Theateraufführung – der Eintritt geht komplett an den Verein. Werbung um noch weitere neue Mitglieder zu machen, schlug eine Frau vor, die bereut, erst vor drei Jahren dazugekommen zu sein. Und wer sich den erhöhten Beitrag wirklich nicht leisten kann, so die Clubchefin, soll sich im Büro melden. Da habe man noch immer eine Lösung gefunden.