Deggendorf. So hochherrschaftlich sind noch keine Sommerferien des Senioren-Aktiv-Clubs zu Ende gegangen: Dr. Rainer Buchmüller empfing den Club auf Schloss Offenberg und führte die Gäste durch die geschichtsträchtigen Gemächer. Der Bus war vollbesetzt – dazu war ein gutes Dutzend der Besucher mit dem Radl gekommen, angeführt von Norbert Bieberstein. Das hatte Reiseleiterin Erika Baumann wieder perfekt organisiert. Und dass der Reisebus auf abenteuerlich schmalem Weg den Berg hinauf fuhr fast bis zur einstigen Zugbrücke, wurde von den Senioren mit Beifall bedacht.
Als guter Psychologe wusste der Schlossherr ganz genau, wie man seine Zuhörer fasziniert. Er erzählte von der reichen Geschichte der Burg, die bis ins 15. Jahrhundert zurück reicht, flocht Anekdoten ein und schaffte es spielend, dass die Aufmerksamkeit nicht erlahmte. Bei rund 70 Besuchern keine Kleinigkeit. Das Faszinierende in Offenberg ist, dass die Einrichtung noch original ist und lebendig wirkt, gar nicht wie ein Museum. Der Historiker Dr. Ludwig Keller hat sich ausführlich mit der Geschichte des Schlosses beschäftigt. Bei ihm erfährt man, dass einst Graf Anton von Montfort das Schloss vor dem Verfall rettete. Er hatte das Erbe gerichtlich erstritten – und fiel vermutlich aus allen Wolken, als er am Ende des 17. Jahrhunderts die herunter gekommene Burg in Augenschein nahm. Aber unerschrocken zog der Graf ein, obschon das Dach einzustürzen drohte. Er ließ sich eilends ein Bett und einen Kasten zimmern – und lebte jahrelang auf einer Baustelle. Das Eichenparkett im Schloss soll noch aus jenen Tagen stammen, erzählte der Schlossherr im Rittersaal. Nach einem
groben geschichtlichen Überblick folgte die Besichtigung der alten Gemächer. Da reihen sich die bunten Salons aneinander: Der grüne Saal, der blaue Saal, der rote Saal und dazwischen die Bibliothek alles in einer Linie, eine „Zimmerflucht“ eben. Launig erzählte Buchmüller, wie ungesund im Barock das Leben war. Völlerei bis zum Exzess – und damit sich der Magen wieder beruhige, ein Spaziergang durch die angrenzenden Räume. Er erzählte von Ludwig dem 14., der nur zweimal in seinem Leben gebadet hat, von Bauchgrimmen und Magenbeschwerden – auch wegen des vielen Alkohols. Man hatte ja sonst keine Unterhaltung. Buchmüller erzählte Schmonzetten über die Trinkfestigkeit in den Adelshäusern. Das gehörte zum guten Ton – wie die Flohfalle im Dekolleté der Damen oder Läusebüchsen für die „Mitbewohner“ in der Perücke. Ernst blickten dazu nur die Adeligen auf den alten Gemälden – auch sie fast alle „aus der Zeit“. Prächtige alte Schränke, alte Truhen, uralte Bänke – das war einfach ein Vergnügen, solche Antiquitäten mal auf dem richtigen Platz zu sehen.
Bei einer gemütlichen Brotzeit im Innenhof des Schlosses bedankten sich Erika Baumann und Norbert Bieberstein für die Gastfreundschaft. Für den Seniorentreff gab´s zum Abschied noch eine Spende über 500 Euro, die Ingrid Buchmüller an Clubchefin Cornelia Wohlhüter überreichte. Die bedankte sich mit einem Regenschirm mit historischen Motiven.